4.18        Bachstelze, Motacilla alba

 

Status:

Alljährlicher, häufiger Brutvogel im gesamten Kreis Ravensburg mit 7000-8000 Paaren. Regelmäßiger Durchzügler mit Zuggipfeln im März und September/Oktober. Gelegentlich Überwinterungen. Wirtsvogel für den Kuckuck.

 

Brutverbreitung im Landkreis Ravensburg:

Wegen der Anpassungsfähigkeit an viele Lebensräume ist die Bachstelze im ganzen Kreis Ravensburg verbreitet. Die ausgedehnten Waldgebiete wie Altdorfer Wald und Adelegg und großflächige Moorgebiete sind wesentlich dünner besiedelt, doch auch hier werden die wenigen günstigen Brutmöglichkeiten genutzt. In den ländlichen Siedlungsstrukturen erreicht die Bachstelze ihre größte Bestandsdichte.

 

Abb. 1 Verbreitung der Bachstelze

 

Brutbestand:

Eine erste Auswertung der UTM-Rasterkartierungen von 1988/89 ergab für den Landkreis Ravensburg einen geschätzten Bestand von ca. 9000 Paaren. Hochrechnungen aus den Erfassungen im Allgäu auf den gesamten Kreis Ravensburg liegen bei 6000 Paaren. Auswertungen der Brutvogelkartierung von G.Segelbacher (1994), mit einer Rasterfrequenz von 82% bei sehr kleinen Einzelflächen (100 Raster, je 10 ha), lassen einen Bestand von 7000-8000 Revieren erwarten. Damit zählt die Bachstelze zu den 20 häufigsten Brutvogelarten im Kreis Ravensburg (Rang 19).

Heine, Lang & Siebenrock (1994) beziffern den Bestand für das Württembergische Allgäu (540 km2) auf 2000-2500 Brutpaare.

R.Ortlieb und B.Schaudt nennen 1300-1600 BP auf 400 km2 für Flächen im Schussenbecken (schriftliche Mitteilung, 1993).

Im Jahre 1970 erfaßte R.Mörike den Bachstelzenbestand im Pfrunger Ried und ermittelte 30 Nester in 70 Feldhütten. Neun Nester waren dabei auch mit Jungkuckucken besetzt.

Schneider (1993) führt die Bachstelze als häufigen Brutvogel in den Torfabbauflächen des Wurzacher Riedes auf. Sie ist auch heute noch häufiger Brutvogel in Wassernähe und an den Häusern ums Ried.

 

 

 

 

 

Bestandsentwicklung:

Insgesamt ist die Entwicklung des Brutbestandes der Bachstelze seit 1960 im Kreis Ravensburg positiv. Allerdings bezieht sich diese Aussage auf sehr unterschiedliches Datenmaterial aus diesen Jahren. Seit dem Beginn der intensiven Beobachtungstätigkeit und deren Auswertungen im Kreis Ravensburg, also seit 1988, läßt sich dieser positive Bestandstrend sicher belegen.

 

Lebensraum/Habitat:

Die Variabilität hinsichtlich des Lebensraumes ist bei der Bachstelze sicher besonders hoch. Als Kulturfolger besiedelt sie zunehmend Dörfer, Siedlungen und Städte im Landkreis. Andere Lebensräume in Wassernähe werden außerdem von Natur aus bezogen.

 

Höhenverbreitung:

Nachgewiesen wurden Bruten in den Hochlagen der Adelegg. Am Wenger Egg auf 1010 m NN brüten nahezu regelmäßig Bachstelzen.

 

Siedlungsdichte/Großflächendichte:

Mit einer rechnerisch ermittelten Großflächendichte von 5,45 Revieren/km2 aus der UTM-Rasterkartierung liegt der Wert nahe beim Bodenseewert von 6,0 Revieren/km2 (Heine et al. 1998). Dieser Wert ist überdurchschnittlich im Vergleich zu anderen Regionen in Deutschland. Auch die Großflächendichte für das Allgäu mit 3,7 Revieren/km2 liegt noch im obersten Bereich der Werte in Mitteleuropa (Bezzel 1993).

Für das Föhrenried bei Weingarten stellte Spittler 1976 auf 1200 ha eine Bestandsdichte von 2,3 BP/km2 fest.

 

Jahreszeitliches Auftreten:

Ausgewertet wurden 3761 Beobachtungen mit 17534 Ex. in 634 Rasterflächen.

Der Heimzug beginnt Anfang März und dauert bis Mitte April. Der Median fällt auf den 28. März (1541 Beobachtungen mit 6917 Ex.).

Bereits Mitte September beginnt der Wegzug und dauert bis Ende Oktober. Der Hauptdurchzug findet Ende September/Anfang Oktober statt. Median aus 616 Beobachtungen mit 6744 Ex. ist der 6. Oktober. Schuster et al. (1983) und Heine et al. (1998) geben für den Bodensee den 7.10. bzw. den 8.10. als Ergebnis von Planbeobachtungen im Eriskircher Ried an. Der Medianwert für den Kreis Ravensburg (6.10.) entstand aus der Auswertung aller Beobachtungen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Abb. 2 Pentadensummen der Bachstelze

 

Winterdaten aus dem Januar:

1.1.1991                                 1 Ex.                       Kanzach (Ornika)

2.1.1997                                 1 Ex.                       Wangen, Kolbenmoor (K.-H.Siebenrock)

3.1.1993                                 1 Ex.                       Deponie Gutenfurt (Ornika)

3.1.1992                                 2 Ex.                       Bodnegg (Ornika)

4.1.1997                                 1 Ex.                       Deponie Obermooweiler (G.Segelbacher)

 

Winterdaten aus dem Dezember:

31.12.1967                             1 Ex.                       Ebenweiler (R.Mörike)

28.12.1991                             5 Ex.                       Ravensburg-Flappach (Ornika)

27.12.1996                             1 Ex.                       Argenbühl-Eglofs (M.Schweighöfer)

24.12.1997                             1 Ex.                       Wangen, Schwarzer See (K.-H.Siebenrock)

20.12.1996                             1 Ex.                       Ravensburg, Innenstadt (G.Segelbacher)

 

Beobachtungen mit den größten Zahlen:

8.10.1995                               220 Ex.    Föhrenried (Ornika)

12.4.1975                               200 Ex.    Pfrunger Ried, Schlafplatz (R.Mörike)

13.10.1969                             170 Ex.    Pfrunger Ried, Schlafplatz (R.Mörike)

18.3.1987                               160 Ex. Zug           Föhrenried (Ornika)

4.10.1984                               150 Ex.    Rohrsee, Schlafplatz, mehr als 150 Ex. (R.Ortlieb)

 

Winterbestand:

Einzelne Überwinterungen in geringer Anzahl kommen vor. Auf den Mülldeponien in Gutenfurt und Obermooweiler überwintern gelegentlich auch Bachstelzen.


 

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