4.11               Baumpieper , Anthus trivialis   

 

Status:
Brutvogel mit einem Bestand von ca. 1400 Brutpaaren. Der Bestand weist starke Schwankungen mit einer deutlich negativen Tendenz auf.
Alljährlicher Durchzügler von Ende März bis Mitte Mai sowie Ende August bis Mitte Oktober.
 
Brutverbreitung im Landkreis Ravensburg:
Nachweise bis 1988:
Bacmeister (in BNO 1992) [i] erwähnt Beobachtungen vom 7.5.1926 in Ratzenried, einen Nestfund am 17.7.1929 mit 4 Eiern sowie Feststellungen im Jahre 1935 für das Arrisrieder Moos und beim Fuchshof in Argenbühl. Es ist nicht sicher, ob er mit den Daten für 1935 Brutvorkommen benannte, oder ob es sich nur um Beobachtungen handelt. Das Arrisrieder Moos war aber wohl ziemlich sicher damals schon Brutgebiet für den Baumpieper .
Schneider (1992) gibt für einen Teil des Wurzacher Riedes, nämlich das Öl, einen Bestand von 10-12 BP für die 1960er Jahre an.
Im Fetzachmoos ergeben Kartierungen 1974 die Zahl von 101 BP, 1987 auf derselben Fläche nur noch 60 singende Männchen (Bauer 1977, Heine & Lang 1988).
Auf der Adelegg werden 1980 auf etwa 600 ha insgesamt 22 Brutpaare ermittelt (Heine, Lang, Kraus & Siebenrock 1983).
Heine & Lang (1983)
nennen den Baumpieper einen charakteristischen Brutvogel der Moore im Allgäu.
Im nördlichen Schussenbecken sind 5 von 8 Rastern (hier je 4 km2 !!), die bei der Bodenseeavifauna (Schuster et al. 1983) bearbeitet wurden, mit Baumpiepern besetzt. Dies entspricht einem Maximalbestand von 22 BP.
Für das Pfrunger Ried beziffert Zier (1985) den Bestand auf 15-20 Brutpaare.
 
Weitere Nachweise ab 1988:
Neben den bereits erwähnten Brutgebieten kennen wir aus dem “Altkreis Ravensburg” ab 1988 noch folgende Brutgebiete (in Klammern die Zahl der Brutpaare):
Emmelhofer Moos (1), Mühlebachsau (1), Fanhaldener Moos (1), Jägerweiher (1), Vorsee (1-2), Unterer abgebrochener Weiher (1), Steinacher Ried (1-5), Gaishauser Ried (1), Binzen (1), Roßberg (1), Blitzenreute (1), Dangrindeln Weiher (1), Rößler Weiher (1), Moorhaus (1), Lochmoos (1), Winterbach (1), Reichermoos (1-2), Vogt (1), Unterer Kählisbühlweiher (1), unteres Ried Aulendorf (1), Lippertsweiler (1), Reute-Bad Waldsee (1), Brunnenholzried (1).
Die kursiv gesetzten Brutorte sind nicht jedes Jahr besiedelt.
 
Für 1997 gibt G.Segelbacher den Brutbestand für das Gebiet Bodenmoos und Dorenwaidmoos in Isny mit 6-7 singenden Männchen an (Segelbacher, schriftl. Mitteilung 1998).
 

Abb. 1 Verbreitung des Baumpiepers  

Brutbestand:
Die Ermittlung des aktuellen Brutbestandes ist schwierig, weshalb bereits bei der Brutverbreitung grundlegende Daten für die Bestandshochrechnung genannt wurden.
Bei der UTM-Rasterkartierung (1988) wurde der Bestand auf ca. 1200 BP geschätzt. Diesem Wert kommt die Umrechnung der langfristigen Bestandsdichte im Allgäu auf den Gesamtkreis sehr nahe. Hier lautet die Einschätzung 1400 BP. Verglichen mit den Bodenseewerten von 1983 (Schuster et al. 1983) ist dies ein geringer Bestand, denn die durchschnittliche Dichte von 0,97 BP/km2 entspricht nur etwa einem Drittel der Bodenseedichte (2,7 Reviere/km2). Berücksichtigt man allerdings den gegenwärtigen Brutbestand im Bodenseeraum von ca. 1300 BP (Heine et al. 1998), so liegen die gegenwärtigen Brutbestände beider Regionen etwa auf gleicher Ebene, aber “auf niedrigem Niveau” innerhalb der Bundesrepublik (vgl. Bezzel 1993).
 

Bestandsentwicklung:
Der Baumpieper weist in den letzten 10 Jahren eine deutlich negative Bestandsentwicklung auf. Verglichen mit dem Zeitraum von 1970 bis 1980 ist der Bestand auf die Hälfte zurückgegangen (Heine 1993). Diese Tendenz läßt sich sicher nicht mit langfristigen Bestandsschwankungen erklären. Im Fetzachmoos sank die Brutdichte von 3,5 BP/10 ha im Jahre 1974 auf 2,5 BP/10 ha im Jahre 1987 (Bauer 1977, Heine & Lang 1988). Schneider (1993) dokumentiert für einen Teilbereich des Wurzacher Riedes einen Rückgang von 10-12 BP in den 1960er Jahren auf aktuell 5 BP.  
Bei der Brutvogelkartierung Bodensee auf sechs Rastern (2 km x 2 km) um Ravensburg konnte der Baumpieper in den Jahren 1990/91 nicht mehr nachgewiesen werden. Er gehörte zu den acht Brutvogelarten, die aus den Rasterflächen verschwunden waren. Die anderen sieben Vogelarten waren Zwergtaucher, Rebhuhn, Wachtel , Fasan, Bläßhuhn(!), Wendehals und Wasseramsel (Merten, 1993).  
Höhenverbreitung:
Brutnachweise auf der Adelegg liegen bis auf 1060 m NN vor. Dort ist sein Vorkommen abhängig von den letzten noch freigehaltenen Almflächen. Mit Zunahme der Aufforstungen oder der Aufgabe der Beweidung verschwindet die Art auch aus diesen Höhenregionen immer mehr.  
Siedlungsdichte:
In optimalen Biotopen kann im Allgäu eine großflächige Siedlungsdichte von ca. 4 BP/10 ha erreicht werden (Fetzachmoos). “Spitzenwerte” von bis zu 7-10 BP/10 ha ergeben sich nur aus kleinflächigen Kartierungen in ebenfalls optimalen Lebensräumen.  
Großflächendichte:
Aus der UTM-Rasterkartierung (1100 km2) im Jahre 1988/89 ergibt sich eine Dichte von 0,76 BP/km2, der Wert für das Allgäu (540 km2) liegt bei 0,93 BP/km2. Aus allen Kartierungen sind es 0,50 BP/km2. Alle diese Werte liegen im unteren Bereich der Großflächendichten für Mitteleuropa (Bezzel 1993). Dies spricht für die Annahme, daß im Kreis Ravensburg einige wenige dicht besiedelte Bereiche vorhanden sind (z.B. Moore), daß aber großflächig betrachtet der Baumpieper eher spärlich vertreten ist.  

Jahreszeitliches Auftreten:
Ausgewertet wurden 582 Beobachtungen mit 1044 Ex.  

Abb. 2 Pentadensummen des Baumpiepers  

Das Diagramm zeigt einen Verlauf, der sicher durch die Registrierungen singender Männchen verfälscht wird. Baumpieper verhalten sich auf dem Durchzug akustisch meist unauffällig und werden deshalb sicher weniger häufig registriert. Da der Balzgesang sehr auffällig und unverwechselbar ist, sind solche Beobachtungen gegenüber Zugbeobachtungen überrepräsentiert. Leider läßt sich das vorhandene Datenmaterial nicht exakt nach “echten” Durchzugsbeobachtungen und anderen Beobachtungen trennen; vermutlich sind die meisten Beobachtungen ab Anfang August schon Zugdaten.  
Die durchschnittliche Erstankunft des Baumpiepers aus den Jahren 1977-97 fällt auf den 29. März.  

Die fünf frühesten Beobachtungen:
13.3.1983               1 Ex. singt              WG-Schwarzer See (G.Lang)
17.3.1996               1 Ex. ziehend         RV-Bavendorf (Ornika96)
29.3.1988               1 Ex.                       Rohrsee (B.Schaudt)
31.3.1995               7 Ex.                      
bei Wilhelmsdorf (D.Masur)
2.4.1988                 8 Ex.                       WG-Schwarzer See (D.Kraus)  

Spätbeobachtungen:
28.10.1974             einige                      Weingarten (T.Brokmeier in Schuster 1983)
28.10.1996             9 Ex.                       Amtzell, Grenis, auf Maisacker (Ornika96)
21.10.1991             1 Ex.                       Föhrenried (Ornika91)
15.10.1995             5 Ex. ziehend           Pfrunger Ried (D.Masur)
10.10.1993             1 Ex.                       Emmelhofer Moos (Ornika93)
9.10.1983               1 Ex.                       Oberer Schloßweiher, Ratzenried (G.Lang)  

Größte Summen:

5.9.1996                 30 Ex.                     Rohrsee (G.Segelbacher)
23.9.1994               24 Ex.                     Rohrsee (K.Bommer)
14.10.1995             20 Ex. ziehend         Amtzell, Grenis (G.Segelbacher)
10.6.1971               17 Ex.                     Eisenharzer Moos (G.Heine)
26.9.1992               14 Ex.                     Emmelhofer Moos (G.Segelbacher)    

Gefährdung/Schutz:
Auf die anhaltenden Rückgangserscheinungen und deren mögliche Ursachen wurde in anderen Teilen bereits eingegangen. Für den Baumpieper gilt zum Schutz dasselbe wie es bei der Feldlerche ausgeführt wurde (vgl. Projekt PLENUM).  

Fragestellungen/Anregungen:
Die Brutverbreitung des Baumpiepers im Kreis Ravensburg weist zwei größere “Lücken” auf. Einmal nordwestlich von Leutkirch, dann westlich von Ravensburg. Hier wären Kartierungen zur Brutzeit sehr erwünscht. Besonders in bereits bekannten Brutgebieten könnten weitere Fakten zur Bestandsentwicklung gewonnen werden.
Ziel: Kartierung singender Männchen in den wichtigsten/bekannten Brutgebieten.  
Der Durchzug des Baumpiepers ist bisher nur unzureichend dokumentiert. Zugplanbeobachtungen von Ende August bis Mitte September könnten dazu wichtige Erkenntnisse bringen.    

 


[i] Bacmeister W. (in BNO1992): Naturschutz BNOberschwaben 22.Jhg.1992/1993

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