4.24               Gartenrotschwanz, Phoenicurus phoenicurus    

Status:
Brutvogel mit einem Bestand zwischen 300 und 500 Brutpaaren. Deutlicher Rückgang mindestens seit 1980. Rückgang in der Rasterfrequenz von 1986 bis 1994 um die Hälfte.
Heimzug im April, Wegzug im September.  

Brutverbreitung im Landkreis Ravensburg:
„.... überall in den Weilern, wo auch der Hausrotschwanz vorkommt, ist er häufig”, so eine Angabe von W. Bacmeister für die Umgebung von Ratzenried im Jahre 1931 (in BNO, 1994).

„.... zahlreich, Zahlen über Brutbestand nicht vorhanden, häufiger als Hausrotschwanz”, so eine Aussage im unveröffentlichten Manuskript einer Avifauna von Wangen noch aus dem Jahre 1969.  

Abb. 1 Verbreitung des Gartenrotschwanz im Kreis Ravensburg    

Hund (1974) dagegen erkennt bereits früh für das Pfrunger Ried den beängstigenden Rückgang des Gartenrotschwanzes und zählt ihn zu den bedrohten Arten. Seinen Brutbestand auf ca. 40 km2 benennt er mit ca. 6-20 Brutpaaren. Die rückläufige Tendenz setzt sich fort (Zier, 1985 und Siedle in Wagner & Wagner, 1996. Gegenwärtig ist der Gartenrotschwanz dort nur noch seltener Brutvogel.  

Im Schussenbecken (Schuster et al. 1983) sind 1980 noch fast alle Raster mit Gartenrotschwänzen besetzt. Meistens sind es 10-30 BP auf der Rasterfläche. Für das Schussental wird auf 180 km2 ein Bestand von ca. 270 BP genannt. Dieser bricht bis 1993 nahezu vollständig zusammen. Auf 400 km2 sind es gerade noch 40-50 BP (R.Ortlieb, B.Schaudt, schriftliche Mitteilung, 1993).

Abb. 2 Verbreitung Gartenrotschwanz, aus Schuster et al. 1983

   
Merten (1993)
stellt fest, daß in seinem Untersuchungsgebiet um Ravensburg von ursprünglich 20 BP nur noch 7 BP im Jahre 1990/91 vorhanden sind, was einem Rückgang von 65 % des Bestandes entspricht. Für das Bodenseegebiet liegt der Rückgang im selben Zeitraum ebenfalls bei über 60% (Heine et al. 1998).

Nach Merten und Segelbacher (schriftliche Mitteilung, 1993) hat sich um Bodnegg der Bestand von 8-10 BP auf 2-3 BP reduziert (ca. 70 % Rückgang seit 1980).

“Im Württembergischen Allgäu wurde in den vergangenen 10 Jahren (1985-94) für den Gartenrotschwanz ein katastrophaler Bestandsrückgang verzeichnet. Eine umfassende Kartierung im Stadtgebiet von Wangen erbrachte im Jahre 1986 noch 13 singende Männchen (U.Kofler). 1989 wurden noch 8 Brutpaare gezählt, 1990 waren es gerade noch 6 Paare.

Frühere Bestandserhebungen zeigten selbst im ländlichen Raum in kleinen Weilern gute Bestände von bis zu einem Brutpaar pro Hofstelle (1973, Bürsten, 4 BP, Nieratz, 3 BP, G.Lang).“

Bei Kartierungen zur Erfassung des Schwalbenbestandes im Allgäu wurden in den Jahren 1991-95 insgesamt 426 Hofstellen erfaßt. An keiner (!) Hofstelle gab es Hinweise auf Bruten in diesen Jahren. Allerdings kannten die Hofbesitzer bei Nachfragen nicht immer den Unterschied zwischen Hausrotschwanz und Gartenrotschwanz. Für die Avifauna des Württembergischen Allgäus (Heine, Lang & Siebenrock, 1994) konnten keine genauen Angaben zum aktuellen Brutbestand gemacht werden; sie bewegten sich um ca. 50-100 BP.  

Nach Rasterkartierungen von G.Kuon (1997/98) ist der Gartenrotschwanz nur in 9 von 116 Rastern mit Brutverdacht vorhanden, brütend lediglich in 5 Rastern. Für M.Ege gehört der Gartenrotschwanz zu den Arten mit den dramatischsten Bestandseinbußen im Raum Leutkirch und Kißlegg.  
Aus dem Wurzacher Ried ist der Gartenrotschwanz als Brutvogel verschwunden, während er früher noch am Riedrand in den alten Linden des Schloßparks mit 6-8 Brutpaaren nistete. Für das ganze Wurzacher Ried galt er früher (1956-62) als häufiger Brutvogel (Schneider 1993).  

Brutbestand:
Bei einer ersten groben Einschätzung des Brutbestandes durch UTM-Rasterkartierung 1988/89 wurden ca. 800 BP ermittelt. Unter Berücksichtigung der Bestandsentwicklung seit vielen Jahren und aufgrund der Berechnung über Kartierungsergebnisse muß von einem Bestand von ca. 300-500 BP im Landkreis Ravensburg ausgegangen werden. Dabei ist die untere Grenze von 300 BP wahrscheinlicher.  

Bestandsentwicklung:
Bei der Beschreibung der Brutverbreitung im Landkreis Ravensburg wurde der Trend bei der Bestandsentwicklung bereits angesprochen. Es muß von einem Rückgang seit 1980 in einer Größenordnung von ca. 60-65 % ausgegangen werden. Dieser Trend wird auch deutlich, wenn die Anzahl der Beobachtungen seit 1960 berücksichtigt wird. Bei einer Vervierfachung der Beobachtungsfläche und mindestens einer Verdreifachung der Beobachtungszahlen liegen die Beobachtungen gegenwärtig immer noch auf dem Niveau von 1970.  

Siedlungsdichte/Großflächendichte:
Mit 0,5 Revieren/km2 aus der Kartierung 1988 und 0,2 Revieren/km2 aus den Erhebungen nach 1992 werden jeweils Werte erreicht, die im unteren Bereich vergleichbarer Gebiete liegen (Bezzel 1993). Sie weisen ebenfalls auf die katastrophale Bestandsentwicklung hin.  
Jahreszeitliches Auftreten:
Das mittlere Ankunftsdatum im Kreis Ravensburg der letzten zehn Jahre von 1988 bis 1997 fällt auf den 5. April. Für den Bodensee ist es der 2. April (1960-80, Schuster et al. 1983).

Der Median für den Heimzug ist der 4. Mai (berechnet aus 325 Beobachtungen mit 435 Ex. in den Monaten März bis Mai). Zum Vergleich der Bodensee: 29. April (Heine et al. 1998).  

Bisher gibt es 10 Märzdaten bei der Ankunft:  

20.3.1968

1 Ex.

Wangen (G.Heine)

26.3.1979

1 Männchen

Wangen, Isnyer Brücke (U.Kofler)

26.3.1995

1 Ex.

Wangen, Karsee (R.Nadig)

26.3.1997

2 Ex.

RV, Burach (Ornika)

27.3.1973

1 Männchen

Wilhelmsdorf (R.Mörike)

27.3.1996

1 Ex.

Wangen, Berger Höhe (R.Seifert)

27.3.1982

1 Ex.

Wangen, Berger Höhe (D.Kraus)

28.3.1995

1 Ex.

Wangen, Waltersbühl (Chr.u.P.Reich)

30.3.1974

1 Ex.

Wilhelmsdorf (R.Mörike)

31.3.1968

1 Ex.

Wilhelmsdorf (R.Mörike)

 

Spätdaten:

 

8.11.1974

1 Ex.

Wangen, Gehrenberg (K.-H.Siebenrock)

4.11.1974

8 Ex.

Wangen, Gehrenberg (K.-H.Siebenrock)

3.11.1979

1 Weibchen

Wangen, Gehrenberg (M.Frühauf)

26.10.1981

1 Ex.

Wangen, Schwarzer See (M.Finkenzeller)

20.10.1974

1 Ex.

Pfrunger Ried (R.Mörike)

 

Zwei der bisherigen drei Novemberdaten und ein Oktoberdatum stammen aus dem Jahr 1974 mit besonders widrigen Wetterlagen (Zugstau).  

Für den Wegzug liegen nur 63 Beobachtungen aus den Monaten September bis November mit 78 Ex. vor. Medianwert aus diesen wenigen Gelegenheitsbeobachtungen: 28. September. Am Bodensee ist es der 21. September (Heine et al. 1998)  

Abb. 3 Pentadensummen des Gartenrotschwanz

     
Keine Überwinterungen bekannt.  

Gefährdung/Schutz:
Massive Eingriffe in den Lebensraum des Gartenrotschwanz und der Verlust von Brutmöglichkeiten haben die negative Bestandsentwicklung mitverursacht. Auch die Verluste in den Überwinterungs- und Durchzugsgebieten, z.B. im Sahel, sind dafür verantwortlich (Bauer & Berthold, 1996). Bauer und Berthold weisen darauf hin, daß auch durch das Anbringen von Nistgelegenheiten in manchen Gebieten der Bestandsrückgang auch nicht verhindert werden konnte.

Für den Kreis Ravensburg kommen besonders Schutzmaßnahmen für die Streuobstbestände in Frage. Hier scheint auch das Anbringen zusätzlicher Nistgelegenheiten sinnvoll. Im Rahmen des Streuobstprogrammes des Landkreises könnten diese Maßnahmen erfolgen. Dazu wäre ein Monitoring in Streuobstbeständen wünschenswert. Möglicherweise könnten auch in das “Apfelsaftprojekt” der Naturschutzverbände Überlegungen zum Schutz des Gartenrotschwanzes einfließen. Die Gestaltung von Ortsrändern mit Streuobstbeständen muß besonders bei Baumaßnahmen im Außenbereich beachtet werden. 


 

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