4.17               Gebirgsstelze , Motacilla cinerea  

Status:
Regelmäßiger Brutvogel mit einem Bestand von ca. 300 BP. Bestandsentwicklung stabil. Das Brutvorkommen konzentriert sich auf die Fluß- und Bachläufe von Argen, Schussen, Ostrach, Wolfegger Ach und Eschach.  

Brutverbreitung im Landkreis Ravensburg:
Aus der Verbreitungskarte der Beobachtungen ist deutlich die Konzentration des Brutbestandes auf die Fluß- und Bachläufe ablesbar. Der nördliche Teil des Landkreises Ravensburg ist deshalb auch spärlicher besiedelt (Aulendorf, Bad Waldsee und Bad Wurzach). Langsam fließende Gewässer werden wohl auch seltener besiedelt als schnell fließende.  

Abb. 1 Verbreitung der Gebirgsstelze

             

Abb. 2 Beobachtungen der Gebirgsstelze in den Monaten Mai bis Juli    

Brutbestand:  
UTM-Rasterkartierungen (1988/89) ergaben einen Bestand von ca. 300 BP im Kreis Ravensburg. Für den südlichen Teil im Württembergischen Allgäu wurden ca. 100 BP ermittelt (Heine, Lang & Siebenrock, 1994 ). Für das Schussenbecken und seine Umgebung nennen R.Ortlieb und B.Schaudt (schriftl. Mitteilung, 1993) Brutpaarzahlen von ca. 40-60 BP für die Jahre 1988-93. Schneider (1993) bezeichnet die Gebirgsstelze als seltenen Brutvogel um Bad Wurzach und führt einzelne Bruten auf. Den Brutbestand an Aitrach und Iller beziffert M.Mack (schriftl. Mitteilung, 1993) mit ca. 10 BP. Für den westlichen Teil des Kreises nennt H.Frank bei der UTM-Kartierung (1988) ca. 3-10 BP. Hund 1974, Zier 1985 und Siedle in Wagner et al. 1996 halten die Gebirgsstelze nur noch für einen unregelmäßigen Brutvogel im Pfrunger Ried. Nach R.Mörike ist die Gebirgsstelze regelmäßiger Brutvogel um Wilhelmsdorf. Im engeren Bereich um Isny erfaßte G.Segelbacher im Jahre 1997 insgesamt 5-6 BP.    

Bestandsentwicklung:
Die Bestandsentwicklung im Beobachtungsgebiet ist uneinheitlich. Während kleinere Populationen (z.B. im Pfrunger Ried, Wurzacher Ried) stärkeren Schwankungen unterworfen sind, hält sich der Brutbestand im übrigen Kreisgebiet noch auf stabilem Niveau. Zwischen 1960 und 1970 scheint der Bestand an beiden Argen leicht angestiegen zu sein (Bauer, Heine & Lang, 1969).  

Lebensraum/Habitat:

Schnellfließende Flüsse und Bäche sind der bevorzugte Lebensraum der Gebirgsstelze. Dieser Lebensraum wird deutlich stärker besiedelt als langsam fließende Gewässerabschnitte. Die Verbreitung an der Kißlegger Ach als langsam fließendem Oberlauf der Wolfegger Ach verdeutlicht dies.  

Höhenverbreitung:
Auf der Adelegg bis ca. 800 m NN brütend nachgewiesen, möglicherweise bis ca. 900 m NN.      

Siedlungsdichte:
Im unverbauten Teil der Eschach im Kreuztal wurden 1971 vier Brutpaare auf 3 km Bachlauf ermittelt. An der Rotach bei Eisenbach (Adelegg) konnten schon 4 BP auf 1,5 km Bachlauf festgestellt werden (1975-80). An der Oberen Argen von Malaichen bis Wangen brüteten im Jahre 1992 sieben Paare auf 15 Flußkilometern.  

Großflächendichte:
Die Angabe einer Großflächendichte für das Gebiet ist sicher wegen der bereits erwähnten Konzentration auf Bach- und Flußläufe nicht ganz sinnvoll. Der rechnerische Wert wäre 0,18 Reviere/km2.  

Jahreszeitliches Auftreten:
Ausgewertet wurden 1470 Gelegenheitsbeobachtungen (2585 Ex.).  

Abb. 3 Jahreszeitliche Verteilung der Beobachtungen der Gebirgsstelze    

     
Der Heimzug setzt Ende Februar/ Anfang März ein und endet Mitte April. Aus den Monaten Mai bis August ragen einzelne „Gipfel” heraus, für die es keine Erklärung gibt. Vermutlich wurden hier Jungvögel erfaßt. Möglicherweise sind diese “Spitzen” aber auch an die unterschiedliche Beobachtungsintensität gekoppelt. Mit einem Gipfel Anfang Oktober zieht sich der Wegzug bis in den November hinein.  

Die fünf größten Summen:

22.8.1993                               22 Ex.                     an der Argen bei Vorderburg (G.Segelbacher)
12.4.1974                               20 Ex.                     Wangen, Pflegelberg (K.-H.Siebenrock)
18.7.1997                               13 Ex.                     Illerstausee Ferthofen (W.Einsiedler)
20.3.1994                               12 Ex.                     Argenstausee Gottrazhofen (K.-H.Siebenrock)
14.6.1990                               11 Ex.                     Baienfurt (Ornika)  

Winterbestand:
Aus den Wintermonaten Januar und Februar gibt es 184 Beobachtungen mit 242 Ex. in 52 Rastern. Im Dezember sind es 60 Beobachtungen mit 80 Ex. in 26 Rastern. Im Kreis Ravensburg besteht sicher regelmäßig ein geringer Winterbestand, der die Zahl von 30-50 Ex. Aber wohl nicht überschreitet. Da in kalten Wintern die Hochlagen geräumt werden (Bauer, Boschert & Hölzinger, 1995) [i] und die Iller als wichtiges Überwinterungsgebiet in Süddeutschland gilt, konzentriert sich das Wintervorkommen im Kreis auf Argen und Schussen.  

Gefährdung/Schutz:
Mit dem Belassen oder dem Anbringen von Nischen in Bauwerken an Flüssen und Bächen können Brutmöglichkeiten geschaffen werden. Gebirgsstelzen besiedeln auch Nistkästen für Nischenbrüter, die an Brücken oder Gebäuden in Gewässernähe angebracht werden.  

Fragestellungen/Anregungen:
Kartierungen von Gebirgsstelzen auf genau definierten Gewässerabschnitten könnten neue Angaben zur Siedlungsdichte bringen.
Wintererfassungen auf diesen Strecken wären wünschenswert.

 

    


[i] Bauer, Boschert, Hölzinger (1995): Die Vögel Baden-Württembergs Atlas der Winterverbreitung

Home