4.23               Hausrotschwanz, Phoenicurus ochruros  

Status:
Brutvogel mit einem geschätzten Bestand von ca. 8000 Brutpaaren. Bestand zunehmend; Rasterdichte (= Rasterfrequenz) von 76 % aus allen Kartierungen. Heimzug Mitte März bis Mitte April; Wegzug September bis Mitte Oktober. Einzelne Winterbeobachtungen.  

Brutverbreitung im Landkreis Ravensburg:
Im ganzen Kreis Ravensburg verbreitet. In reinen Waldgebieten fehlt der Hausrotschwanz, so z.B. in manchen Bereichen der Adelegg und im Altdorfer Wald.  

Abb. 1 Verbreitung des Hausrotschwanz    

Brutbestand:
Mit 21-100 BP auf ca. 40 km2 im Pfrunger Ried (Hund 1974). Dort weit häufiger als der Gartenrotschwanz. 1994 ermittelt R.Mörike dort mindestens 49 Brutpaare, die sich im wesentlichen auf Siedlungen ums Ried konzentrieren.

Im Schussenbecken 1980 in allen Rastern der Bodenseekartierung vertreten mit maximal bis zu 100 BP/Raster. 1993 sind auf einer Fläche von 400 km2 ca. 1200-1500 BP vorhanden (schriftliche Mitteilung, R.Ortlieb und B.Schaudt).  

Segelbacher und Merten (schriftliche Mitteilung, 1993) nennen für Bodnegg und Umgebung ca. 200-250 BP.  

Der Allgäubestand (540 km2) beträgt im Jahre 1994 ca. 2500 BP, wobei besonders Regionen mit Weilern und Einzelhöfen dicht besiedelt sind (Heine, Lang & Siebenrock, 1994).  

Um Leutkirch ist der Hausrotschwanz ebenfalls regelmäßiger Brutvogel mit einer Rasterfrequenz von 85 % (G.Kuon 1998). Alle Siedlungen um Leutkirch sind bewohnt (Bio-AG der Realschule Leutkirch, 1986).  

Im Wurzacher Ried brütete die Art früher häufiger, so z.B. unter den Torfbrocken. Jetzt ist sie meistens nur noch in Wohngebieten zu finden (Schneider 1993).  

Für den gesamten Kreis Ravensburg liegt der gegenwärtige Bestand (1997) bei ca. 8000 BP mit einer deutlich zunehmenden Tendenz währende der letzten 20 Jahre.  

Bestandsentwicklung:
Der Hausrotschwanz nutzt mittlerweile als anpassungsfähiger Kulturfolger das Umfeld des Menschen. Er hat hier (möglicherweise) den Gartenrotschwanz ersetzt (verdrängt?). Deshalb ist der Brutbestand des Hausrotschwanzes in den letzten Jahren zwischen 1980 und 1998 angestiegen. Über den tatsächlichen Bestand im Kreis Ravensburg vor 1980 gibt es leider keine aussagekräftige Zusammenstellung. Die Kartierungen bis 1985 ergaben eine “Dichte” von 1,0 BP/10 ha. Bei den Kartierungen nach 1985 waren es 1,2 BP/10 ha. Dies würde einen “statistischen” Anstieg von 20 % bedeuten. Am Bodensee betrug die Zunahme zwischen 1980/81 und 1990-92 über 46 %; sie liegt damit deutlich über der im Kreis Ravensburg.  

Laut Merten (1993) hat der Hausrotschwanz seinen Brutbestand auf sechs Rasterflächen der Bodenseekartierung von 80 Brutpaaren (1980) auf 160 BP in den Jahren 1990-92 verdoppelt. Er gehört damit, neben Schwanzmeise und Türkentaube, zu den wenigen Vogelarten, deren Bestände angewachsen sind.  

Im Jahre 1969 war der Hausrotschwanz um Wangen noch weniger häufig als der Gartenrotschwanz (!!) (Bauer, Heine & Lang, 1969).

M. Ege beschreibt für Leutkirch und Kißlegg einen Anstieg des Brutbestandes bis 1993.  

Höhenverbreitung:

Brutvogel auf der Adelegg bis 1018 m NN (Wenger Egg) und auf dem Herrenberg. In höheren Lagen bis 1118 m NN sind keine geeigneten Bruthabitate vorhanden. Nach Hölzinger, Knötzsch, Kroymann & Westermann (1970) Brutvogel in Baden-Württemberg in allen Höhenlagen.  

Siedlungsdichte:
Dichtewerte verschiedener Kartierungen schwanken zwischen 0,7 und 2,5 BP/10 ha. In städtischen Siedlungsformen liegen sie bei ca. 1 BP/10 ha. Segelbacher (1994) ermittelte durchschnittlich 1,6 BP/10 ha über alle Biotope.  

Großflächendichte:
Der Wert der UTM-Rasterkartierungen (1988/89) mit 4,9 BP/km2 (auf 1100 km2) und der Wert aus den Beständen für das Allgäu mit 4,6 BP/km2 entsprechen den Werten für Österreich und die Schweiz. Beide liegen aber deutlich unter der Großflächendichte für das Bodenseegebiet mit 7,1 bzw. 6,4 BP/km2 (Bezzel 1993, Heine et al. 1998).  

Jahreszeitliches Auftreten:

Der Heimzug beginnt Mitte März und dauert bis Mitte (Ende) April. Ein Median aus diesen beiden Monaten ist der 8. April (960 Beobachtungen mit 1869 Ex.). Die Pentadensummen sind im Mai und Juni überraschend hoch, fallen aber ab Juli drastisch ab.

Der Wegzug setzt im September ein und dauert bis Anfang November. Aus diesen beiden Monaten gibt es bisher 355 Beobachtungen mit 771 Ex.; der Medianwert daraus ist der 2. Oktober.

Einzelne Winterdaten liegen vor, die auf Überwinterungen schließen lassen.  

Abb. 2 Pentadensummen des Hausrotschwanz    

   
Winterbeobachtungen:

1.1.1993                 1 Männchen         Wangen, Gehrenberg u. WG-Herzmanns (Überwinterung?) (K.-H.Siebenrock, G.Heine)
13.1.1997               1 Männchen         RV-Sickenried (Ornika)
28.1.1997               1 Männchen         Berg-Weiler (Ornika)
4.2.1993                 1 Ex.                    Unterankenreute (Ornika)
5.2.1991                 1 Männchen         Rainhof (Ornika)  
26.12.1990             1 Weibchen          RV-Kickach (Ornika)
17.12.1989             1 Ex.                    Obermooweiler, Deponie (M.Finkenzeller)
16.12.1997             1 Männchen         Baienfurt (Ornika)
12.12.1996             1 Ex.                    Bodnegg (Ornika)
26.11.1993             1 Ex.                    RV-Bannegg (Ornika)  

Beobachtungen mit den größten Zahlen:

2.11.1974               80 Ex.                     Föhrenried (Brokmaier, Spittler)
1.11.1974               60 Ex.                     Föhrenried (K.Wirth)
24.4.1990               40 Ex.                     Emmelhofer Moos, ziehend (Ornika)
4.4.1996                 25 Ex.                     Föhrenried (Ornika)
1.4.1992                 22 Ex.                     Föhrenried (Ornika)  

Die Beobachtungen von 1974 stehen in Zusammenhang mit der lang anhaltenden Schlechtwetterlage. Außerdem wird die Bedeutung des Föhrenrieds für den Vogelzug nochmals sehr deutlich. Dort im Schussenbecken sammeln sich regelmäßig große Schwärme verschiedener Vogelarten und rasten auf dem Zug ins Brutgebiet bzw. ins Winterquartier.  

Winterbestand:
Einzelne Hausrotschwänze wurden in den Wintermonaten beobachtet. Es gibt aber keinen “Winterbestand” im eigentlichen Sinne im Kreis Ravensburg. Nach Bauer, Boschert & Hölzinger (1995) ist der maximale Winterbestand in Baden-Württemberg mit ca. 60 Vögeln zu veranschlagen.