4.21               Heckenbraunelle , Prunella modularis  

Status:
Brutvogel mit einem Bestand von ca. 12000 BP; Rasterfrequenz aus kleinflächigen Kartierungen 78 %. Heimzug Mitte März, Wegzug Ende September/Anfang Oktober. Einige Überwinterungen.  

Brutverbreitung im Landkreis Ravensburg:
Im Pfrunger Ried und seiner Umgebung Brutvogel mit 21-100 BP (Hund 1974). In den späteren Publikationen (Zier 1985, Siedle in Wagner & Wagner 1996) wird die Heckenbraunelle jeweils als regelmäßiger Brutvogel bezeichnet.

Im gesamten Schussenbecken von Mochenwangen bis Meckenbeuren Brutvogel mit Werten von 4-10 bzw. 11-30, maximal sogar 31-100 BP je 4 km2 (Bodenseeraster). Dort in allen 17 Rasterflächen vorhanden (Schuster et al. 1983). Auf 400 km2 etwa 1500-2000 BP (schriftliche Mitteilung, R.Ortlieb u. B.Schaudt, 1993)

Brutvogel im Alten Friedhof in Ravensburg mit 5-9 BP in den Jahren 1972-1983 (Weismann et al. 1986). Dort wurden hohe Siedlungsdichten erreicht.

Häufiger Brutvogel im Allgäu mit 3000-4000 BP auf 540 km2 (Heine, Lang & Siebenrock, 1994 ). Dort in nahezu allen Rastern mit geringem Waldanteil oder heckenartigen Strukturen brütend.

Um Leutkirch in Waldgebieten häufig (G.Kuon, 1998).

Im Wurzacher Ried noch häufiger Brutvogel bei schwankenden Bestandszahlen.  

Abb. 1 Verbreitung der Heckenbraunelle

Brutbestand:
Grundlage für die Hochrechnung des Brutbestandes waren UTM-Rasterkartierungen und Brutbestandskartierungen. Die Größenordnung des Brutbestandes liegt zwischen 12000 und 14000 BP.  

Bestandsentwicklung:
Zwischen 1954 und 1960 war die Heckenbraunelle im Wurzacher Ried nicht häufig (Schneider 1993). Ab 1960 nahmen dort die Fangzahlen (bis 1978) stetig zu. Danach gingen die Zahlen zwar wieder zurück, blieben allerdings etwa auf dem Niveau von 1970.  

Für das Württembergische Allgäu stieg die Anzahl der Beobachtungen von 1976 bis 1980 ebenfalls stark an und sackte dann rapide ab bis 1987. Seitdem sind wieder leicht ansteigende Bestände vorhanden.  

Im Kreis Ravensburg sind die Zahlen der Beobachtungen von Heckenbraunellen seit 1988 ziemlich stabil und wohl mit normalen Bestandsschwankungen zu erklären. Es zeichnet sich eher ein leicht steigender Trend ab (vgl. Bauer & Berthold, 1996).  

Höhenverbreitung:
Brutvogel auf der Adelegg bis in höchste Lagen (1100 m NN). Zwischen den Höhenstufen von 700 bis 1000 m NN ist kein signifikanter Unterschied feststellbar.  

Siedlungsdichte:
Auf der Adelegg werden mit einer durchschnittlichen Dichte von 3,1 BP/10 ha (Erfassungsfläche 592 ha, 1980) hohe Werte erzielt. Sie liegen in einigen Biotopen noch wesentlich höher, z.B. in Fichten-Aufforstungen mit 6,5 BP/10 ha. Hier ist die Heckenbraunelle die vierthäufigste Vogelart. Innerhalb von Fichtenaufforstungen werden max. Dichten von 10 BP/10 ha erreicht. Bezzel (1993) führt Ausbreitungstendenzen der Heckenbraunelle an und verweist auf die Zunahme von Aufforstungsflächen.

Im Alten Friedhof Ravensburg 5-9 BP auf 5,5 ha ergibt eine sehr hohe Dichte von bis zu 16,4 BP/10 ha (Weismann, 1986).  

Großflächendichte:
Die Großflächendichte für das Allgäu beträgt 7,4 BP/km2. Den exakt gleichen Wert ergibt die Berechnung aus der UTM-Rasterkartierung (1988). Diese Werte passen zu den Daten vom Bodensee, wo 1980/81 ca. 8 BP/km2 und 1990-92 nur noch 6 BP/km2 ermittelt wurden (Heine et al. 1998).

Die Dichte aus allen Kartierungen mit durchschnittlich 1,56 singenden Männchen/10 ha auf einer Fläche von 4500 ha ist an der oberen Grenze in Mitteleuropa.

Hohe Dichten erreicht auch G.Segelbacher bei der Kartierung (1994) von 1000 ha Fläche mit 1,71 singenden Männchen/10 ha.  

Jahreszeitliches Auftreten:
Da sich Heckenbraunellen außerhalb der Brutzeit sehr unauffällig verhalten, wird ihr Auftreten vor dem Gesangsbeginn sicher häufig übersehen. Einzelne Vögel singen schon Ende Februar (22.2.1975), die meisten singen aber in der ersten Märzwoche. Sprissler (in Weismann 1986) nennt für den Friedhof Ravensburg den 9. März als Datum für den Beginn des Gesangs (1972-83). Schuster (1983) führt als frühestes Datum am Bodensee den 14.3.1979 an.  

Abb. 2 Pentadensummen der Heckenbraunelle

 

     
Nach Bezzel (1993) läßt der Gesang mit Beginn der Brutzeit merklich nach und endet im Juli (vgl. dazu den jahreszeitlichen Verlauf der Gelegenheitsbeobachtungen!).  

Der Wegzug beginnt sicher schon Anfang September. Zwischen dem 4. und dem 27.9.1976 wurden im Kolbenmoor bei Wangen 73 Fänglinge beringt (Lang, Zulassungsarbeit PH Weingarten). Ende September/Anfang Oktober bildet sich ein Maximum.  

Bei regelmäßigen Zugplanbeobachtungen von G.Segelbacher im Raum Isny und um Bodnegg wurde der 5. Oktober als Median festgestellt. Für das gesamte Datenmaterial aller Beobachtungen ist es der 4. Oktober (vgl. Schuster 1983: Bodenseewert aus Planbeobachtungen im Eriskircher Ried, 2. Oktober).  

Die Beobachtungen mit den größten Zahlen:

4.10.1997                               135 Ex.    Isny, Skihang, ziehen in ca. 4 h (G.Segelbacher)
5.10.1997                                 33 Ex.    Isny, Skihang, ziehen in 4,5 h (G.Segelbacher)
29.9.1997                                 30 Ex.    Bodnegg, Hecht (Ornika)
24.9.1997                                 26 Ex.    Herzogenweiher (G.Segelbacher)
12.10.1971                               22 Ex.    Pfrunger Ried, ziehen in 1h; (K.Hund)
21.9.1996                                 16 Ex.    Rohrsee (G.Segelbacher)
10.10.1971                               13 Ex.    Pfrunger Ried (K.Hund)  

Winterbestand:
In milden Wintern bleiben einige Heckenbraunellen im Gebiet und überwintern um Ravensburg/Weingarten und Wangen sowie an der Iller um Aitrach. Für das mittlere Schussental werden 34 Winterbeobachtungen aus den Wintern 1980/81, 1981/82 und 1982/83 genannt (Weismann 1986).  

Bei den nachfolgenden Beobachtungen können Überwinterer und evtl. ziehende Vögel nicht unterschieden werden.  

Winterdaten aus dem Januar:

1.1.1992                                 1 Ex.                       Alttann (Ornika)
2.1.1989                                 1 Ex.                       Schussental auf 5,5 km, Winterbestand (Ornika)
3.1.1968                                 1 Ex.                       Pfrunger Ried (R.Mörike)
3.1.1969                                 1 Ex.                       Riedhausen (R.Mörike)
10.1.1990                               2 Ex.                       Wangen, Bad Briel, Futterhaus (H. Leupolz)  

Winterdaten aus dem Dezember:

31.12. 1991                            1 Ex.                       Alttann (Ornika)
29.12.1994                             1 Ex.                       Pfrunger Ried, 2. Brücke (R.Mörike)
26.12.1992                             1 Ex.                       Baienfurt, Papierfabrik (Ornika)
24.12.1992                             1 Ex.                       Alttann (Ornika)
20.12.1975                             1 Ex.                       Wangen, Gehrenberg (K.-H.Siebenrock)    

Fragestellungen/Anregungen:
Kartierungen von Teilflächen im Altdorfer Wald, dort bestehen “Verbreitungslücken”
Kartierungen im Nordteil der Gemeinde Argenbühl und um Kißlegg (“Verbreitungslücken”)
Winterbeobachtungen und Überwinterungen dokumentieren      

 

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