4.7                  Rauchschwalbe, Hirundo rustica

 

Status:

Brutvogel im gesamten Kreisgebiet mit einem geschätzten Bestand von ca. 9000 Paaren. Bestandsentwicklung seit 30 Jahren meistens negativ. Heimzug Ende März bis Mitte Mai, Wegzug ab August bis Ende September mit Schwerpunkt Mitte September.

 

Brutverbreitung im Landkreis Ravensburg:

Rauchschwalben sind im gesamten Kreisgebiet als Brutvogel vorhanden. Der Verbreitungsschwerpunkt liegt in Rastern mit einem hohen Anteil von landwirtschaftlichen Anwesen. In Städten und Dörfern mit geringem landwirtschaftlich genutztem Anteil ist die Rauchschwalbe demnach auch deutlich geringer vertreten. Die Rasterfrequenz aus allen Kartierungen beträgt 63%. Dies entspricht aber sicher nicht dem tatsächlichen Verteilungsgrad, denn bei Kartierungen wurden Flächen mit Waldanteilen wesentlich häufiger begangen als Habitate, die für die Rauchschwalbe günstig sind.

 

Abb. 1 Verbreitung der Rauchschwalbe

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Abb. 2 Verbreitung der Rauchschwalbe zur Brutzeit

 

Brutbestand:

 

Bei der UTM-Rasterkartierung 1988/89 lag der ermittelte Bestand bei ca. 10000 BP. Einschätzungen des aktuellen Brutbestandes (Basis: Daten bis 1997) liegen zwischen 7000 und 10000 Brutpaaren im Kreis Ravensburg.

 

Bestandsentwicklung:

Über negative Bestandsentwicklungen im Kreis Ravensburg berichten u.a. Heine & Lang (1983)[i].

Ähnliche Tendenzen zeigt Schneider (1994) auf. Rauchschwalben sind heute um Bad Wurzach sehr viel seltener als vor 20 bis 30 Jahren.

Diesen Trend belegen auch Untersuchungen aus den Jahren 1991 bis 1995 im Allgäu[ii].

 

Höhenverbreitung:

Mit regelmäßigen Brutnachweisen (1-3 BP) auf der Alpe Wenger Egg auf der Adelegg liegt der höchste Brutplatz auf 1010 m NN.

 

Siedlungsdichte:

Die Siedlungsdichte für die Rauchschwalbe aus den UTM-Erfassungen (1988) beträgt 6 BP/km2. Für die Aviifauna des Württembergischen Allgäus wurde ein Wert von 5,6 BP/km2 ermittelt. Damit fallen diese Werte in den oberen Bereich der Siedlungsdichten für Mitteleuropa (Bezzel, 1993)[iii]. Sie liegen niedriger als der rechnerisch ermittelte Wert für das Bodenseegebiet (Schuster et al. 1983) mit ca. 18 Revieren/km2. Allerdings nähern sich die Dichtewerte den neuen Zahlen für das Bodenseegebiet für die 1990er Jahre mit ca. 7,5 BP/km2 (Heine et al. 1998).

 

Noch aussagekräftiger für die Siedlungsdichte im Kreis Ravensburg sind Daten, die zwischen 1991 und 1995 ermittelt wurden. Bei der Kontrolle von 426 landwirtschaftlichen Betrieben im Grünlandbereich des Allgäu und des Obstanbaugebietes im Grenzbereich des Landkreises Ravensburg und des Bodenseekreises wurden 1186 Brutpaare der Rauchschwalbe (sowie 303 BP der Mehlschwalbe) gezählt. Je Hofstelle sind demnach 2-3 Brutpaare (2,78) der Rauchschwalbe “zu erwarten”. 20 BP/Hofstelle bedeuteten den Maximalwert.

Neben den 1186 bewohnten Nestern waren noch 229 unbewohnte (z.T. alte oder verlassene) Nester bzw. Nestanfänge vorhanden (Lang 1998, in Vorbereitung).

 

 

Großflächendichte:

Für den Kreis Ravensburg liegt die Großflächendichte bei ca. 5-6 BP/km2.

 

Jahreszeitliches Auftreten:

Ausgewertet wurden 3165 Beobachtungen in ca. 600 Rasterflächen mit 56 177 Ex.

Die mittlere Erstankunft aus den Jahren 1987 bis 1996 fällt auf den 25. März.

Der Medianwert für den Heimzug (1443 Beobachtungen mit 11366 Ex.) ist der 30. April. Berechnungsgrundlage hierfür sind die Monate April und Mai. Der Wert liegt wohl deshalb so spät, weil eine genaue Trennung von Zugbeobachtungen und Beobachtungen von Brutvögeln nicht möglich war. Für den Wegzug wurde der 13. September als Medianwert ermittelt (829 Beobachtungen mit 35912 Ex.).

 

 

Abb. 3 Pentadensummen der Rauchschwalbe

 

Zusammenstellung der fünf jahreszeitlich frühesten Beobachtungen:

8.3.1997                                 1 Ex.                       Fronreutehof/Fronhofen (K.Wirth)

17.3.1988                               1 Ex.                       Ankenreute (Ornika88)

19.3.1989                               3 Ex.                       Badsee, jagend (M.Finkenzeller)

21.3.1969                               1 Ex.                       Wangen (B.Heine)

22.3.1994                               2 Ex.                       Wangen-Primisweiler (G.Lang)

 

Die fünf jahreszeitlich spätesten Beobachtungen:

16.11.1974                             1 Ex.                       Pfrunger Ried (K.Hund)

15.11.1992                             1 Ex.                       Wangen, Kolbenmoor (K.-H.Siebenrock)

10.11.1974                             1 Ex.                       Wangen (K.-H.Siebenrock)

9.11.1974                               7 Ex.                       Pfrunger Ried (K.Hund)

7.11.1974                               2 Ex.                       Wangen (K.-H.Siebenrock)

 

Vier dieser fünf Spätbeobachtungen stammen aus dem Jahr 1974. Damals kam es zur sogenannten Schwalbenkatastrophe. Die langanhaltenden Schlechtwetterbedingungen führten zu einem großen Zugstau und erheblichen Todesfällen auch bei den anderen Schwalbenarten.

 

Ab Mitte August, verstärkt im September, sind größere Ansammlungen im Kreis Ravensburg vorhanden. Die Werte erreichen in den letzten Jahren jedoch kaum mehr Zahlen, die über 1500 Ex. liegen. Früher waren es Tausende, die am Rohrsee im Schilf nächtigten (Schneider 1993).

 

Gefährdung:

Bestandseinbußen im Kreis Ravensburg sind sicher auch auf Veränderungen der landwirtschaftlichen Nutzung zurückzuführen. Der Rückgang der Milchviehhaltung, besonders auf kleinen Höfen, ist möglicherweise verantwortlich für diesen negativen Bestandstrend. Die Umnutzung von Viehställen zur Pferdehaltung scheint nachteilig für die Rauchschwalbenbestände (vgl. auch Heine et al. 1998).

 

Schutz:

Neben dem Erhalt der ländlichen Strukturen könnten künstliche Nisthilfen für Rauch- und Mehlschwalbe angebracht werden. Damit wäre zumindest dem Mangel an geeignetem Nistmaterial abgeholfen.

 

Fragestellungen/Anregungen:

Erfassung aller Hofstellen innerhalb eines Rasters oder eines TK-Quadranten und Registrierung der Gebäudebrüter.

 

Erfassungsprobleme und Diskussion:

Außer durch gezielte Kartierungen auf definierten Flächen (Hofstellen) läßt sich wohl keine aussagekräftige Bilanz erstellen. Schwalbenkartierungen könnten auch im Winter durchgeführt werden, indem die Nester gezählt werden, bzw. durch Nachfrage in den einzelnen Hofstellen. Ob auch hier der negative Bestandstrend anhält, muß beobachtet werden.

 

 


 



[i] Heine, Lang (1983): Mitt.AG Nat.schutz Wangen

[ii] Lang et al.: Erfassungen von Rauch- und Mehlschwalbe in den Jahren 1991 bis 1995 (unveröffentlicht)

[iii] Bezzel (1993): Kompendium der Vögel Mitteleuropas

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