4.22               Rotkehlchen , Erithacus rubecula  

Status:
Jahresvogel; Brutvogel mit einem Bestand von ca. 18000 BP. Rasterfrequenz aus Kartierungen 78 %. Alljährlicher Durchzügler ab Anfang März, Wegzug Mitte Oktober. Regelmäßiger Wintergast.  

Brutverbreitung im Landkreis Ravensburg:
Das Rotkehlchen ist als Brutvogel im ganzen Kreis verbreitet, die “Verbreitungslücken” (vgl. Verbreitungskarte) sind meist Erfassungslücken.  

Abb. 1 Verbreitung des Rotkehlchens    

Brutbestand:
Für das Pfrunger Ried führt Hund 1974 das Rotkehlchen als Brutvogel mit einem Bestand zwischen 21 und 100 BP an. Außerdem bezeichnet er den Winterbestand als gering. Diese Einstufung beim Status übernimmt Zier (1985). Siedle (in Wagner & Wagner, 1996) nennt das Rotkehlchen einen häufigen Brutvogel.  

Alle Raster der Bodenseekartierung im Schussenbecken sind mit Rotkehlchen besiedelt und zwar in Größenklassen von bis zu 100 Revieren/4 km2 (Schuster et al. 1983). R.Ortlieb und B.Schaudt ermittelten für den Großraum um Ravensburg und Weingarten auf 400 km2 einen Bestand von ca. 4000-5000 BP (schriftliche Mitteilung, 1993).

Bei den Untersuchungen auf dem Alten Friedhof in Ravensburg (1972-83) konnte das Rotkehlchen regelmäßig mit 1-4 BP angetroffen werden (Weismann et al. 1986).  

Für das Württembergische Allgäu beträgt der Brutbestand ca. 5000-7000 BP auf 540 km2. (Heine, Lang & Siebenrock, 1994 ). Auf der Adelegg gehört das Rotkehlchen dabei mit Platz 9 zu den zehn häufigsten Vogelarten.  

Bei Kontrollen zum Brutvogelbestand um Leutkirch 1997 ist das Rotkehlchen auf 108 von 116 Rasterflächen als Brutvogel vorhanden (Kuon 1998).  

Der Gesamtbestand für den Kreis Ravensburg beträgt über 18000 BP. Die Hochrechnungen aus der UTM-Rasterkartierung 1988/89 liegen bei 22000 BP. Berechnet man den Bestand auf der Basis der durchschnittlichen Dichte des Württembergischen Allgäus, so kommt man auf ca. 15000 BP.  

Bestandsentwicklung:
Eine Tendenzangabe für die langfristige Bestandsentwicklung kann nur aufgrund der Anzahl der Beobachtungen (=Registrierungen)gemacht werden. Hier zeichnet sich seit ca. 1985 eine stabile Lage mit einer leichten Zunahme ab, die aber im Rahmen normaler Bestandsschwankungen verläuft. Möglicherweise hängt diese Entwicklung mit dem Verbuschen verschiedener Flächen und dem Aufforsten von Grünlandflächen zusammen.  

Höhenverbreitung:
Brutvogel auf der Adelegg bis in höchste Lagen (1100 m NN).  

Siedlungsdichte:
Deutliche Unterschiede in der Siedlungsdichte beschreiben Heine, Lang & Siebenrock 1994. Buchenwälder auf der Adelegg erreichen maximal 7,3 BP/10 ha. Moorgebiete mit ausreichend Gebüsch- und Waldstrukturen liegen bei 6,5 BP/10 ha. In Siedlungsbereichen wie der Stadt Wangen sind es 0,5 BP/10 ha.  

Biotop

Dichte

Ort

Stadtgebiet Wangen

0,5 BP/10 ha

 

Mischwald

2,8 BP/10 ha

(Adelegg)

Mischwaldzonen

3,2 BP/10 ha

 

Fichten Altholz

3,4 BP/10 ha

(Adelegg)

Fichten Jungwald

3,8 BP/10 ha

(Adelegg)

Fichtenaufforstung

3,9 BP/10 ha

(Adelegg)

Fichtenwälder

5,3 BP/10 ha

 

Moorgebiete

6,5 BP/10 ha

 

Buchenwald

6,8 BP/10 ha

(Adelegg)

(aus Heine, Lang & Siebenrock, 1994)

Tabelle 1 Siedlungsdichte des Rotkehlchen

 

Großflächendichte:
Mit 13,4 BP/km2 (aus der UTM-Rasterkartierung 1988/89) liegt der Wert für die Großflächendichte im Kreis Ravensburg nahe den Angaben für die Schweiz mit 15 Revieren/km2 und den Bodensee mit 17,9 Revieren/km2 (Bezzel 1993). Die Dichte aus allen Kartierungen beträgt 16,1 Reviere/km2.  

Jahreszeitliches Auftreten:
 

Abb. 2 Pentadensummen des Rotkehlchens  

       
Ausgewertet wurden 3257 Beobachtungen mit 7073 Ex. in 618 Rastern. Da sich Rotkehlchen oft sehr unauffällig verhalten, werden sie wohl auf dem Heimzug und besonders beim Wegzug häufig übersehen und erst die singenden Männchen registriert. Hauptankunft in der Schweiz in den Niederungen 10. März bis Anfang April, in den Hochlagen später (Bezzel 1993). Für den Kreis Ravensburg läge ein Median für die Märzdaten (619 Beobachtungen, 1313 Ex.) am 23. März. Der Medianwert aus März und April (1399 Beobachtungen, 3304 Ex.) fällt auf den 6. April. In diesen Zeitraum fallen auch interessante Zugbeobachtungen bzw. Beobachtungen mit großen Individuenzahlen:  

2.4.1995

20 Ex.

Benzenhofen (Ornika)

20.4.1997

23 Ex.

Rößler Weiher (Ornika)

29.3.1996

25 Ex.

Rößler Weiher (Ornika)

 

Der Wegzug setzt Anfang September ein. Im September 1976 wurden dabei 29 Fänglinge beringt. (Eine Auswertung von Fangdaten und Wiederfunden von Vogelarten im Kreis Ravensburg ist in Vorbereitung!) Mitte Oktober erreicht der Wegzug seinen Höhepunkt. Median aus 406 Gelegenheitsbeobachtungen mit 709 Ex. aus den Monaten September, Oktober und November ist der 21.Oktober.

Ringfunde weisen auf Winterquartiere in Frankreich, Spanien, Marokko und Algerien hin (Schneider, 1993, Heine, Lang & Siebenrock, 1994).  

Winterbestand:
Nach Hund 1974 und Zier 1985 beherbergt das Pfrunger Ried einen geringen Winterbestand. Bauer, Boschert & Hölzinger (1995) gehen von einem Winterbestand in Baden-Württemberg aus, der weniger als 10 % des Sommerbestandes ausmacht. Die schneereichen Hochlagen werden im Winter geräumt. Die Adelegg ist im Winter vermutlich nicht besiedelt. Die Vorkommen im Kreis Ravensburg konzentrieren sich auf Schussenbecken, Aitrach und Iller.    

Fragestellungen/Anregungen:
Ermittlung des Winterbestandes in ausgewählten Biotopen
Gibt es einen Winterbestand auf der Adelegg?
Auswertung von Ringfunden
Fang mit standardisierten Methoden (z.B. im Garten im Laufe des Jahres =Monitoring).  

Erfassungsprobleme:
Rotkehlchen verhalten sich meist unauffällig und werden deshalb häufig nur durch Gesangsregistrierungen bemerkt. Dies verfälscht u.U. das Bild über das Durchzugsgeschehen (vgl.: Jahreszeitliches Auftreten). Ein Großteil des Wegzuges wird durch Gelegenheitsbeobachtungen nicht erfaßt. Das Diagramm zum jahreszeitlichen Verlauf weist wegen dieser Problematik erstaunliche Parallelen zum Zaunkönig und zur Heckenbraunelle auf (Arten mit auffälligem oder lautem Gesang, aber sonst unauffälligem Verhalten).    

 

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