4.15               Schafstelze , Motacilla flava  

Status:
Seltener Brutvogel mit einem geringen Restbestand von weniger als 10 BP.
Regelmäßiger Durchzügler im April und von Ende August bis Anfang Oktober.  

Brutverbreitung im Landkreis Ravensburg:
Nahezu der gesamte Brutbestand des Kreises konzentriert sich auf das Wurzacher Ried und seine Umgebung. Schneider (1993) beziffert diesen Bestand auf ca. 8-10 BP. Im restlichen Kreis sind oft nur sporadisch besetzte Brutplätze vorhanden.  

Abb. 1 Verbreitung der Schafstelze

 

Brutbestand:
Mit ca. 10 BP im Kreis steht der Bestand der Schafstelze kurz vor dem Zusammenbruch. Bei der UTM-Rasterkartierung (1988/89) ermittelte man 16 BP auf 1100 km2. Damals schätzte man den Gesamtbestand im Kreis auf ca. 25-30 BP. Diese Zahlen entsprechen auch den Angaben in der Verbreitungskarte bei Hölzinger (1987).    

Bestandsentwicklung:
Von ursprünglich 60 BP zwischen Bad Wurzach und Diepoldshofen blieb von 1960 bis heute kein einziges Brutpaar mehr übrig (Schneider 1993). Der Rohrsee und das Herrgottsried sind ebenfalls verwaist. Im Wurzacher Ried selber ging der Bestand von ca. 20 BP (Schneider 1993, Abb. 20, S. 60) auf 8-10 BP zurück. Vermutlich ist der aktuelle Brutbestand 1997 noch weit geringer. Genaue Zahlen dazu liegen bisher nicht vor.
Bei der Bodenseekartierung 1983 wurden für das Schussental ca. 10-25 BP angegeben. Gegenwärtig bilden dort ca. 3-6 BP im Föhrenried (R.Ortlieb, 1993) den geringen Restbestand.  

Jahr

1971

1972

1973

1974

1975

1976

1977

1978

1979

1980

1981

Brutpaare

11

14

10

17

 

18

25

17

18

15

22

 

Tabelle 1 Schafstelze , Brutbestand im Schussenbecken, Tabelle verändert aus: Schuster 1983  

Für das Pfrunger Ried galt die Schafstelze bis ca. 1980 noch als Brutvogel (Zier 1985). Aus späteren Jahren werden keine Brutnachweise genannt, und dies, obwohl das Gebiet zu den optimalen Brutorten gehören müßte. Mörike (schriftliche Mitteilung Juni 1998) beschreibt die Veränderungen auf einigen Flächen im Pfrunger Ried und kommt zu dem Schluß, daß neben der fortschreitenden Intensivierung landwirtschaftlicher Flächen auch das Brachfallen von Flächen und die nachfolgende Verschilfung und Verbuschung negative Auswirkungen auf den Brutbestand haben (vgl. auch die Beschreibung zum Pfrunger Ried).  

Für das Allgäu bezeichnen Heine, Lang & Siebenrock (1994) die Schafstelze als “vermutlich ausgestorbenen Brutvogel”. Alle bis 1977 bekannten Brutgebiete sind nicht wieder besiedelt worden. Selbst scheinbar optimale Brutstandorte wie das NSG Bodenmöser bei Isny sind nicht besiedelt. Nach Hölzinger (1987) reicht die Höhenverbreitung der Schafstelze bis 700m NN. Im besagten Gebiet kommen noch erhebliche Niederschlagsmengen dazu.      

Jahreszeitliches Auftreten:
Nur sehr wenige bzw. gar keine Beobachtungen liegen aus den Wintermonaten November (2), Dezember (0) und Januar (0) vor. Sehr spärlich sind auch Februar- und Märzdaten. Der Heimzug beginnt in der ersten Aprilpentade und setzt sich bis Mitte Mai fort. Median für den Heimzug: 16. April (170 Beobachtungen mit 719 Ex.).  

Ebenfalls sehr spontan beginnt der Wegzug Ende August, gipfelt Anfang September und zieht sich bis Anfang Oktober hin. Der Wegzugsmedian fällt auf den 7. September (204 Beobachtungen mit 1667 Ex.). Beide Medianwerte entsprechen in etwa den Medianwerten für Baden-Württemberg (Hölzinger 1987). Ähnlich sind auch die Medianwerte vom Bodensee. Dort wird allerdings noch nach Rassen unterschieden, und für diese werden verschiedene Werte getrennt ermittelt (Schuster et al. 1983).  

Abb. 2 Pentadensummen der Schafstelze    

   
Die fünf größten Summen:

27.8.1989                               100 Ex.                   Mühleweiher, Gebrazhofen, Zugstau (M.Finkenzeller)
2.-6.9.1969                             60-80 Ex.               WG-Schwarzer See (S.Bauer, G.Lang)
11.4.1982                               70 Ex.                     Rohrsee (M.Finkenzeller)
7.4.1968                                 70 Ex.                     Rohrsee (E.Schaefer)
28.8.1989                               50 Ex.                     Mühleweiher, Gebrazhofen (S.Schairer)       

Darstellung der Beobachtungen von Unterarten:
Beim Auswerten der Daten fiel auf, daß nur wenige Angaben zu Unterarten vorhanden sind. Es lohnt sich sicher, auch hier einen kritischen zweiten Blick auf die Schafstelzentrupps zu werfen.  

Motacilla flava cinereocapilla; Aschköpfige Schafstelze
16.4.1992                               1 Ex.                       Illerstausee Kardorf (W.Einsiedler)
22.4.1997                               1 Ex.                       Illerstausee Kardorf (W.Einsiedler)  

Motacilla flava feldegg; Maskenstelze
Ein Ex. dieser Unterart am 23.4.1963 am Rand des Wurzacher Riedes (Schneider 1993). 
Am Rohrsee ein Ex. am 19.5.1968 (E.Schaefer).  

Motacilla flava iberiae; Spanische Schafstelze
Beobachtung einer “Spanischen Schafstelze ” am 24.5.1958 am Rohrsee durch Schneider (1993). Der Vogel sang.  

Motacilla flava thunbergi; Nordische Schafstelze
27.4.1968                               1 Ex.                       Pfrunger Ried (R.Mörike)
1.5.1982                                 1 Ex.                       Rohrsee (R.Ortlieb)
7.5.1989                                 1 Ex.                       Illerstausee Ferthofen (W.Einsiedler)
18.4.1990                               1 Ex.                       Illerstausee Ferthofen (W.Einsiedler)
19.4.1992                               1 Ex.                       Illerstausee Kardorf (W.Einsiedler)
23.4.1992                               1 Ex.                       Illerstausee Kardorf (W.Einsiedler)
28.4.1992                               1 Ex.                       Illerstausee Kardorf (W.Einsiedler)      

 

 

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