4.19               Wasseramsel , Cinclus cinclus  

Status:
Regelmäßiger Brutvogel im Landkreis Ravensburg mit einem Bestand von 100 bis 140 Paaren. Jahresvogel. Der Winterbestand entspricht in etwa dem Brutbestand. Bestandsentwicklung nach deutlichen Einbrüchen seit rund zehn Jahren wieder stabil.  

Brutverbreitung im Landkreis Ravensburg:

Fischer (1914) führt für das Allgäu regelmäßige Bruten an den Argenwasserfällen bei Riedholz an (Eistobel). Sonst hält er die “sumpfigen” Teile Oberschwabens für ungeeignete Brutplätze. Dort komme die Wasseramsel nur im Winter regelmäßig vor. Bacmeister (in BNO 1992) führt dagegen ein regelmäßiges Brutvorkommen an beiden Argen an und belegt dies mit Beobachtungen von 1926 bis 1945.    

Abb. 1 Verbreitung der Wasseramsel

 
Derzeit (1997/98) ist die Wasseramsel regelmäßiger Brutvogel mit Verbreitungsschwerpunkt an den beiden Argen mit ihren größten Nebenbächen, der Schussen und einigen Nebenbächen, z.B. der Wolfegger Ach und der Scherzach, außerdem an Eschach, Aitrach und Iller sowie an der Rotach südlich Wilhelmsdorf und um Zußdorf.
Tatsächliche Verbreitungslücken bestehen wohl im nordwestlichen Teil des Landkreises um Altshausen. Zwischen Wilhelmsdorf. und Ostrach brüten keine Wasseramseln, erst nördlich von Ostrach kommt die Wasseramsel wieder vor.  

Brutbestand:
Für den Bereich des Pfrunger Riedes nennt Hund 1974 die Wasseramsel nicht als Brutvogel und verweist darauf, daß sie ostrachabwärts eventuell brütet. Aus den Daten von R.Mörike ergibt sich für die Rotach südlich Wilhelmsdorf ein regelmäßiger Brutbestand von 3-4 Brutpaaren bis 1997. Im Jahre 1996 wurde ein Maximum von ca. 10 BP erreicht.  
Für das Schussenbecken werden teilweise hohe Siedlungsdichten erreicht (Jacoby et al. 1970). Später finden sich nur ca. 6 BP im eigentlichen Schussenbecken (Schuster et al. 1983). Bei der UTM-Rasterkartierung (1988/89) werden ca. 30 BP angegeben, 1993 teilen R.Ortlieb und B.Schaudt einen Brutbestand von ca. 25-30 BP auf 400 km2 mit (schriftliche Mitteilung R.Ortlieb, 1993).  

Dicht besiedelt ist die Wolfegger Ach, ein Zufluß der Schussen, die zwischen Wolfegg und Baienfurt auf kurzer Strecke einen Höhenunterschied von ca. 150 m überwindet. Hier beträgt der Brutbestand in guten Jahren sicher 6-8 BP.

Ähnlich wie bei der Gebirgsstelze schon erwähnt, ist der Oberlauf der Wolfegger Ach, also der Abschnitt zwischen Wolfegg und Kißlegg, deutlich anders. Hier finden sich (fast) keine brütenden Wasseramseln. Gründe dafür sind mit Sicherheit das teilweise eintönige Bachprofil und die fehlende Ufervegetation.  

Für den Verlauf der beiden Argen im Kreis Ravensburg geben Heine, Lang & Siebenrock (1994) den Bestand mit etwa 80 BP an. Für das Württembergische Allgäu (540 km2) werden 100 BP erwartet.    

Die Eschach als sehr schnell fließender Bach mit Gebirgsbachcharakter weist bis Leutkirch auch mindestens 10-15 BP auf. Untersuchungen an der Eschach belegen die Vorliebe der Wasseramsel für unverbaute Gewässerabschnitte. Auf einem Flußkilometer verbauter Eschach hielt sich bei einer Kartierung im Jahre 1977 nur ein Vogel auf, während es im unverbauten Teil acht Vögel waren.  

Um Aitrach beträgt der Brutbestand an Iller und Aitrach ca. 14 BP (M.Mack, schriftliche Mitteilung, 1993).  

Für das Wurzacher Ried und seine Randbereiche nennt Schneider (1993) die Wasseramsel nicht als Brutvogel, sondern nur als Wintergast, der mit der Schneeschmelze aus dem Gebiet verschwindet. Vermutlich haben aber einzelne Wasseramseln an der Ach zwischen Bad Wurzach und Diepoldshofen gebrütet und brüten dort eventuell noch.  

Bestandsentwicklung:
Mit der Intensivierung der Bach- und Flußverbauung in den 1960er und 1970er Jahren dieses Jahrhunderts erfolgte ein deutlicher Einbruch der Bestandszahlen. Dazu kam auch noch die Einleitung von Abwässern in die Gewässersysteme. Mittlerweile (seit 1985) scheint sich der Bestand aber stabilisiert zu haben.  

Lebensraum/Habitat:
Schnell fließende, klare und sauerstoffreiche Gewässer sind der Lebensraum der Wasseramsel . Sie kann deshalb mit Sicherheit als Indikatorart für diesen Lebensraumtypus gelten. Der Zustand der Fließgewässer im Kreis kann also auch am Vorhandensein der Wasseramsel abgelesen werden.  

Höhenverbreitung:
Brutvogel auf der Adelegg bis 840 m NN.  

Siedlungsdichte:
Für das Schussenbecken werden teilweise hohe Siedlungsdichten erreicht. An der Scherzach bei Weingarten 1967 auf 5 km Bachlauf 4 Paare (Jacoby et al. 1970).
An der Eschach im Bereich der Adelegg (Kreuztal) ist die Wasseramsel mit ca. 1 BP/km Flußlauf über längere Strecken vorhanden (Heine, Lang, Kraus & Siebenrock, 1980).
An der Argen konnten bei Zählungen auf 50 Flußkilometern schon 37 singende Vögel ermittelt werden. Im Jahre 1974 waren auf 25 km um Wangen 27 singende Wasseramseln vorhanden. Diese Werte liegen im oberen Bereich der Werte für Mitteleuropa (Bezzel 1993).  

Großflächendichte:
Bezogen auf die UTM-Rasterkartierung von 1988/89 (1100 km2) ergibt sich eine Großflächendichte von 0,08 Revieren/km2, für das Allgäu auf 540 km2 eine Dichte von 0,2 Revieren/km2. Beide Werte stehen im oberen Bereich in Mitteleuropa (Bezzel 1993).  

Jahreszeitliches Auftreten:  

Abb. 2 Pentadensummen der Wasseramsel    

   
Für die Darstellung des jahreszeitlichen Auftretens der Wasseramsel wurden 1178 Beobachtungen (1954 Ex.) in 139 Rastern verwertet. Der Verlauf des Diagramms entspricht dabei wohl nicht den tatsächlichen Verhältnissen, denn die Wasseramsel ist im Winter oft sehr auffällig durch ihren Gesang. Außerdem werden Gewässerstrecken im Winter sicher häufiger kontrolliert als im Sommer. Zudem sind Lautäußerungen der Wasseramsel im Sommer viel seltener.  

Winterbestand:
Im Atlas der Winterverbreitung baden-württembergischer Vögel beziffern Bauer, Boschert & Hölzinger (1995) den Winterbestand auf ca. 3600 Vögel, was in etwa der Brutpopulation entspricht. Innerhalb Baden-Württembergs sind Schussen und Iller Verbreitungsschwerpunkte.

Im Kreis Ravensburg dürften etwa 100-150 Wasseramseln im Winter anwesend sein.  

Der Winterbestand der Wasseramsel an den Argen wurde wiederholt kontrolliert. Dabei war jeweils eine deutlich unterschiedliche Besiedelung der Argen vor und nach Wangen erkennbar. Sehr deutlich war dies 1992. Oberhalb von Wangen wurden auf einer Länge von ca. 18,4 km 47 Wasseramseln gezählt, was einer Dichte von 2,5 Wasseramseln pro km Flußlänge entspricht. Oder anders ausgedrückt: Jede Wasseramsel beansprucht ca. 400 m Flußlänge, ein Brutpaar folglich 800 m. Unterhalb von Wangen wurden auf einer Länge von ca. 13,5 km nur 17 Wasseramseln gezählt. Das ergibt eine Dichte von ca. 1,3 Wasseramseln pro km Fluß, also gerade die Hälfte der Dichte oberhalb Wangens (H.-J.Schleifer, unveröff. Manuskript).  

Schutz:
Anbringen von speziellen Nistkästen z.B. bei Straßenplanungen oder Erneuerungsarbeiten an Brücken als sogenannte Ausgleichsmaßnahme.  

Fragestellungen/Anregungen:
Erfassung des Brutbestandes durch Kartierung singender Männchen in den Wintermonaten.
Kontrolle von Brutplätzen (besonders Brückenbauwerke) im ganzen Kreis Ravensburg.
Erneute Erfassung des Brutbestandes an der Unteren Argen von der Kreisgrenze bis zum Argenstausee Gottrazhofen.
Erfassung entlang der Wurzacher Ach bis zur Einmündung der Eschach.
Winterkartierung an der Ach zwischen Kißlegg und Wolfegg.  

Erfassungsprobleme:
Vgl. Ausführungen zur jahreszeitlichen Verteilung!  

Diskussion:
Da die Wasseramsel eine Indikatorart für noch unbelastete Gewässer darstellt, sollten hier dringend umfangreichere Erhebungen stattfinden. Außerdem sind mit dem Anbringen von Nistmöglichkeiten auch an belasteten Gewässern deutliche Steigerungen der Bestandsdichten möglich (Bauer & Berthold, 1996), solange Mindestanforderungen erfüllt sind. Bei einem Artenhilfsprogramm „Wasseramsel“ im Kreis Ravensburg müßten u.a. zusätzlich auch die Ufervegetation und die Gewässerbelastung durch Einleitungen berücksichtigt werden.    


 

 

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