4.4 Feldlerche, Alauda arvensis

Status:
Brutvogel mit einem geschätzten Bestand zwischen 1000 und max. 5000 Brutpaaren. Bei stark rückläufiger Tendenz scheint gegenwärtig (1997) eher der Bestand von 1000-1200 Revieren aktuell. Die Rasterfrequenzen aus verschiedenen Kartierungen liegen zwischen 44% und 52%.

Regelmäßiger Durchzügler, besonders von Mitte Februar bis Mitte März und im Oktober.

Brutverbreitung im Landkreis Ravensburg:
Noch ist die Feldlerche im gesamten Kreisgebiet als Brutvogel anzutreffen. Die höheren Lagen im Allgäu sind dabei wesentlich spärlicher besiedelt als das Schussenbecken und der westliche Teil des Landkreises. Dies liegt sicher in der unterschiedlichen landwirtschaftlichen Nutzung, wobei die Feldlerche wegen der Intensivierung der Grünlandnutzung stark zurückgedrängt wurde.

Abb. 1 Verbreitung der Feldlerche

Brutbestand:
Eine erste Einschätzung des Gesamtbestandes auf Basis der Erfassung von 1988/89 (UTM-Rasterkartierung in Baden-Württemberg, vgl. Methoden) ergab einen "Bestand" von ca. 5500 Brutpaaren. Da die Angaben jedoch pro Rasterfläche in Größenklassen angegeben wurden und in einem Raster die Größenklasse 3000 Reviere/100 km2 vorhanden war, bringt schon die Rückstufung dieser Einschätzung auf die untere Größenklasse (hier 1000 Reviere), eine Korrektur des "Bestandes" auf ca. 3000 BP. Diese geschätzte Bestandszahl nähert sich auch den Umrechnungen aus Kartierungen (bis 1994) im Kreis Ravensburg , die bei ca. 3500 BP liegen. Unter Berücksichtigung der anhaltenden Rückgangserscheinungen dieser Art beläuft sich der Bestand im Kreis auf 1000-1200 Reviere (Stand: 1997).

Bestandsentwicklung:
Bei kaum einer anderen Vogelart ist der Bestand so dramatisch zurückgegangen wie bei der Feldlerche. In einer Zusammenfassung zur "Vogelwelt des westlichen Allgäu" (1979) weisen Heine, Lang & Bauer auf diese Entwicklungen hin. "Da sie (die Feldlerche) Streuwiesen als Brutgebiet zu meiden scheint, dürfte sie von der Intensivierung in der Allgäuer Grünlandwirtschaft besonders hart betroffen sein." Bauer (1983) stellt fest, daß Vogelarten der Grünlandlebensräume die auffälligsten Verluste in den letzten Jahren hinnehmen mußten. Wie die Feldlerche stammen 30% der verschwundenen Arten aus den Grünlandlebensräumen.

Ähnliche Gründe für den dramatischen Rückgang der Feldlerche beschreibt R.Mörike (schriftliche. Mitteilung Juni 1998) für das Pfrunger Ried. Auf einer Wiese stellte er 1994 noch vier Brutpaare der Feldlerche fest, neben einem Braunkehlchenpaar. "Nach Beendigung der Flurbereinigung wurde die Wiese wieder genutzt, gedüngt, früh gemäht und die Grabenränder bis zur Wasserkante ausgemäht. Folge: 1997 nur ein Paar Feldlerchen auf derselben Fläche und kein Braunkehlchen mehr.

Laut Pater Agnellus Schneider (1992) reduzierte sich der Brutbestand der Feldlerche um das Wurzacher Ried seit den 1960er Jahren von ca. 110 Brutpaaren auf jetzt 20-30 Paare. Heine (1993) beschreibt für das Allgäu Rückgänge von 80% auf Kontrollflächen in Wangen und Argenbühl. Merten (1993) weist nach, daß auf kontrollierten Flächen um Ravensburg der Brutbestand von 1980/81 bis 1990/91 von 25 Revieren auf 8 Reviere abgenommen hat. Für den Bereich zwischen Markdorf (FN) und Ravensburg ist es ein Rückgang um 32% (Heine et al. 1998). Umfrageergebnisse bei Mitarbeitern an der Avifauna des Kreises Ravensburg im Jahre 1993 haben ebenfalls einhellig sinkende bzw. stark sinkende Bestandszahlen gezeigt.

Lebensraum/Habitat:
Extensiv bewirtschaftetes Grünland ist neben Ackerflächen das bevorzugte Habitat. Niedermoorbereiche werden wohl nur als suboptimale Flächen besiedelt, wenn durch Intensivierung der Grünlandbewirtschaftung optimale Flächen verlorengehen. Dort können sich aber nur kleine Restbestände halten (Bauer & Berthold, 1996) .

Höhenverbreitung:
Bei Großflächenkartierungen auf der Adelegg konnten bislang keine brütenden Feldlerchen über 800 m NN festgestellt werden. Niederschläge von über 1600 mm/Jahr verhindern dort wohl auch viele (Boden)Bruten.

Siedlungsdichte:
Für den Bodenseeraum wurden Siedlungsdichten von 8 Revieren/km2 angegeben (Schuster et al. 1983), Schätzungen aus Bayern liegen bei 5 Revieren/km2 (Bezzel et al. 1980).

Auf der Basis der Rasterkartierung 1988/89 (UTM, 1100 km2) erreicht die Feldlerche eine Siedlungsdichte von 5 BP/km2. Für das Württembergische Allgäu liegt der Wert für die Fläche von 540 km2 bei 0,67 BP/km2; nimmt man den maximalen Brutbestand für diese Fläche, so liegt die Siedlungsdichte bei 1 BP/km2.

Kartierungen von G.Segelbacher auf 100 Rasterflächen mit insgesamt 1000 ha aus dem Jahre 1994 erbrachten eine Siedlungsdichte von 8,7 BP/km2 (vgl. Methoden). Ein Großteil der Kartierungsflächen liegt dabei im westlichen Kreisgebiet mit geringeren Niederschlägen und geringerer Höhe (vgl. Methode; Karte mit Rasterkartierungen).

Jahreszeitliches Auftreten:
Ausgewertet wurden insgesamt 2032 Beobachtungen mit 108723 Ex. in 434 Rasterflächen. Für die Pentadensummen waren es 1973 Beobachtungen mit 93412 Ex.

Abb. 2 Pentadensummen der Feldlerche

Auffällig ist das starke Überwiegen der Beobachtungen von Feldlerchen auf dem Heimzug. Der Medianwert für den Zeitraum von Januar bis zur letzten Märzpentade ist der 7.3. (695 Beobachtungen mit 80428 Ex.). Auf dem viel schwächer ausgeprägten Wegzug ist der Median am 19.10. (329 Beobachtungen mit 10740 Ex.).

Ursache für das Überwiegen der Beobachtungen auf dem Heimzug sind meistens durch Schlechtwetterlagen bedingte Zugstaus mit großen Ansammlungen im Föhrenried. Dies gilt besonders für den März 1988. Außerdem ist die Beobachtungstätigkeit im Frühjahr größer.

Abb. 3 Pentadenmaxima im Jahre 1988 im Föhrenried (Weingarten)

Abb. 4 Pentadensummen im Emmelhofer Moos (77 Beob./4490 Ex./ Median: 9.März)

Zusammenstellung der Beobachtungen mit der größten Zahl je Jahr

Heimzug:
28.2.1969 1500 Ex. Schussenbecken, Zugstau (K.Wirth in Hölzinger et al. 1970)
4.3.1973 2000 Ex. Pfrunger Ried (K.Hund, R.Mörike)
22.2.1975 5000 Ex. Föhrenried (K.Wirth in Schuster 1983)
18.3.1987 5200 Ex. Föhrenried, Weingarten (R.Ortlieb)
6.3.1988 3600 Ex. Föhrenried (K.Wirth)
28.2.1989 200 Ex. Föhrenried (R.Ortlieb)
14.2.1990 850 Ex. Föhrenried (Ornika90)
24.2.1991 350 Ex. Föhrenried (K.Wirth)
26.2.1993 1000 Ex. Föhrenried (R.Ortlieb in Ornika93)
28.3.1995 750 Ex. Föhrenried (Ornika95)
9.3.1996 1304 Ex. Emmelhofer Moos, starker Zug (G.Segelbacher)
22.2.1997 210 Ex. Rohrsee (G.Segelbacher)

Wegzug:
18.10.1992 500 Ex. Schachen (K.Wirth)
9.10.1994 200 Ex. Pfrunger Ried (B.Metzger)

Winterbestand:
Gesicherte Überwinterungen gibt es bislang nicht, jedoch sind in allen Wintermonaten einzelne Individuen beobachtet worden. Im Dezember bis zu 200 Ex. (Föhrenried, Ornika90), im Januar 1988 schon Trupps mit 60 Ex. im Föhrenried (Ornika88). In den Jahren 1970-1980 sind im Föhrenried in acht Wintern Feldlerchen festgestellt worden mit 700 Ex. nach den Summen der Pentadenmaxima (Schuster 1983).

Gefährdung:
Das Gefährdungspotential für Feldlerchenbestände besteht im wesentlichen aus der Intensivierung der Landwirtschaft. Darauf deuten verschiedene Publikationen aus der Region hin. Unter der Kapitelüberschrift Bestandsentwicklung sind diese schon angesprochen worden (vgl. Bauer (1983), Heine et al.(1979), Merten (1993), Schneider (1994).

Schutz/Fragestellungen/Anregungen:
Möglicherweise sind Ansätze des großflächigen Naturschutzes, wie sie im Modellprojekt PLENUM auf den Gemeindeflächen von Isny und Leutkirch vorgesehen sind, eine Chance auch für den Erhalt der Feldlerche als "Symbolvogel" für extensive Grünlandflächen und Äcker. In der Zielsetzung dieses Projektes steht, daß es "erforderlich ist, in der Kulturlandschaft großflächig naturbetonte Lebensräume zu bewahren und zu entwickeln. Nicht nur die Größe und Quantität der Lebensräume ist entscheidend, sondern auch deren Vernetzung. Es bedarf daher, zusammen mit der Landwirtschaft und allen Landnutzern einer ergänzenden Strategie, die auf großen, zusammenhängenden Flächen wieder eine Kulturlandschaft ermöglicht, in der ökonomische Belange, d.h. die Nutzungsweisen, in Einklang stehen mit ökologischen Belangen. Dadurch werden Lebensräume der heimischen Tier- und Pflanzenwelt wieder durch die Nutzungsweise selbst gesichert."

Deshalb wird ein Monitoring-Programm, das sich auch auf die Veränderungen der wiesenbrütenden Vogelarten richtet, ein Maßstab für die Wirksamkeit dieses Projektes sein. Grundlagen dazu sind in Bestandserhebungen, besonders in den "Bodenmösern" (NSG), bereits erfolgt.
(Artbearbeitung:
Gerhard Lang)

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